Report «Pagelli Guitars»

von Harish Powar (Text) im Guitar Club / Italien, Rubrik «liuteria» 2008

 

Report «Pagelli Gitarrenbau»

von Franz Holtmann (Text und Fotos) im Akustik Gitarre 2/08, Rubrik «Report» 2007

 

Fachgespräch «Claudio Pagelli»

von Andreas Schulz (Text und Fotos )im Akustik Gitarre 6/06, Rubrik «vom Fach», Nov./Dez. 2006

 

Guitar Magazin für Gitarristen und Bassisten, Ausgabe 4/06 nr.71

«Cort designed by Pagelli» Testbericht von Arne Frank

 

Acoustic Guitar Magazine, Decembre 2005

«great acoustics-report» from Teja Gerken

 

 

 

Gitarre&Bass, Ausgabe Februar 2005

Testbericht «Reminiscence»-Bass von Dirk Groll

«Die Schweizer Gitarrenschmiede» Homestory von Ebo Wagner und Masterpiece Pagelli «Avantair» Testbericht von Heinz Rebellius

...zu finden im Gitarre&Bass Magazin, Ausgabe 01/2005

...und Testbericht «Reminiscence» Bass

von Dirk Groll im Gitarre&Bass Magazin,

Ausgabe 02/2005

 

Edit: Dieter Roesberg

 

 

«Avantair»-Elektro-Gitarre

Testbericht von Heinz Rebellius im Gitarre&Bass Magazin, Januar 2005

 

 

Gitarre&Bass, Ausgabe 1/2005

 

Akustik-Gitarre, Ausgabe 6/2004
Testbericht «Jazzyflat» von Andreas Schulz

 

Gitarre&Bass, Ausgabe Juni 2004
Musikmesse Frankfurt 2004

E-Gitarren (von Michael Dommers)           
...und nicht zuletzt Claudio Pagelli, der sicherlich zu den ideenreichsten und innovativsten Gitarrenbauern gezählt werden darf.

Bässe (von Dirk Groll)
Marleaux...und baut jetzt auch den aufregenden Fretless der Avantgarde-Marke Pagelli, und die ersten vier Exponate sorgten schon für gehörige Aufmerksamkeit. Pagelli selbst hatte eine ausgesprochen geschmackvolle Hommage an das Music-Man-Konzept mit meisterlicher Ausgewogenheit designed, vorläufiger Name des neuen Modells ist Bass'sick.

Bass-Zubehör (von Dirk Groll)
Die Familie Pagelli ist nicht nur im Instrumenten-Design Vorreiter, Claudia kümmert sich auch um stilvolles Zubehör. Auffällig waren jedenfalls ihre phantasievoll gestalteten Gitarrengurte, die als Einzelstücke in Handarbeit angefertigt werden.

Akustik Gitarren (von Thomas Jeschonnek)
Die vielleicht auffälligste Akustik-Gitarre der Mese stammte (wieder einmal) von dem Schweizer Claudio Pagelli. Wohlgeformte Rundungen, eine Ebenholz-Korpus und eine Haselfichten-Decke zeichnen die «Jazzyflat» aus, deren Extravaganz und aussergewöhnlicher Ton natürlich ihren Preis fordert.

 

Gitarre&Bass, Ausgabe Mai 2004
Trends und Highlights an der Musikmesse Frankfurt 2004

E-Gitarren (von Michael Dommers)
Seit 27 Jahren bekannt für aussergewöhnliche, geschmackvolle, innovative und farbenfrohe Gitarrendesigns ist der Schweizer Claudio Pagelli. In sein Modell «Avantair» hat er den AirFX-Prozessor von Alesis integriert, dessen Modulationseffekte sich über einen Infrarot-Strahl manuell in Echtzeit steuern lassen. Abhängig von der Entfernung oder aus welcher Richtung sich die Hand dem Strahl nähert, lassen sich gleich mehrere Parameter simultan kontrollieren. Zudem stehen 50 Programmspeicher zu Verfügung. Selbstverständlich lässt sich die «Avantair» mit ihren beiden Pickups auch als normale Gitarre einsetzen. Das einzigartige, handgefertigte Instrument mit hohem Spass- und Kreativitätsfaktor ist für runde EUR 5000 zu haben.

Bässe (von Dirk Groll)
Avantgardist Claudio Pagelli hat die Produktion seines bundlosen Künstlerinstruments dem in gediegener Qualität erfahrenen Bassbauer Marleaux übertragen (und hatte übrigens selber eine fein-geschmackvolle Vintage-Variation des Themas MusicMan dabei).

Gitarre&Bass, Ausgabe Mai 2003
Musikmesse Frankfurt
Bässe (von Dirk Groll)


... und natürlich konnte der Schweizer Meisterdesigner Pagelli sich mit dem neuen Jazzability-Bass im blauen Zelluloid-Kleid wieder einiges Aufsehen erregen...
Akustische Gitarren (von Andrea Scheffler)
Der unangefochtene Champion unter den Gitarrendesignern war wie im Vorjahr Claudio Pagelli. Der Schweizer begeisterte wieder mit beispiellos form- und klangvollendeten Kreationen. Die Gitarren sind irgendwo schon Kunstwerke, bei denen Form und Funktion geschmeidig verschmelzen, wie z. B. im Falle einer kleinen Armauflage am Korpus, die über der Decke schwebt und damit verhindert, dass die Deckenschwingungen beeinträchtigt werden, aber eigentlich aussieht wie ein optisches i-Tüpfelchen. (Gitarre Fifties Artwork Die Silbermedaille geht nach...


Gitarre&Bass, Ausgabe Juni 2003
von Frank Haunschild
Jazzability Super Deluxe


Der im schweizerischen Chur ansässige Gitarrenbauer Claudio Pagelli ist eine Ausnahmeerscheinung auf dem Markt. Seine schrill-schrägen Formen sorgen überall für Aufmerksamkeit, und die Qualität seiner exklusiven Instrumente wurde von vielen berühmten Kollegen wie z.B. Bob Benedetto gerühmt und auch an dieser Stelle bereits festgestellt.

Claudio Pagelli baut pro Jahr nur ungefähr 10 Instrumente, und hat bis heute einigen Versuchungen widerstanden, seinen Betrieb zu expandieren und damit mehr Instrumente herzustellen. So führt er bis heute gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Werkstatt als Familienbetrieb fort. Auf abenteuerlichen Wegen aus der Schweiz zu mir gelangt, liegt heute die Super
Deluxe Version seiner Archtop mit dem Namen Jazzability zum Testen vor.

Konstruktion
Augenfälligstes Merkmal aller Pagelli Gitarren ist ihre ungewöhnliche Form, als hätte ein Riese mit überirdischen Kräften das Instrument einmal kurz in die Quere gezogen. Doch diese unsymmetrische Form hat nicht nur designbedingte Gründe, sondern auch handfeste klangliche Vorteile. Beginnen wir mit der zweiteiligen handgeschnitzten Fichtendecke, deren Holz vor über 80 Jahren vom Vater eines 90jährigen Instrumentenbauers aus Chur geschlagen wurde. In diese Decke sind unsymmetrische F-Löcher im Pagelli-Design geschnitten und mit einer Rand-Einfassung aus Ebenholz versehen. Für diese F-Löcher liegen dem Instrument maßgefertigte Stöpsel bei, um diese bei Bedarf zur Reduktion eines möglichen Feedbacks einzusetzen. Der gesamte Korpus ist vorne und hinten mit einem Binding aus Ebenholz eingefasst.

Auch das Holz, welches für die Zargen und den zweigeteilten Boden verwendet wurde, kann mit einer kleinen Geschichte aufwarten: es ist Nussbaum, der vor über 150 Jahren geschlagen wurde und seither als Eingangstreppe einer herrschaftlichen Schweizer Villa diente, die vor etwa 20 Jahren abgerissen wurde. Der geneigte Leser wird ob soviel Historie sicherlich anfangen zu schmunzeln, aber solche Geschichten sind doch so etwas wie das Salz in der Suppe bei einem Gitarrentest, weshalb ich sie hier einmal genau so weitergeben möchte.

Der mit Nussbaum furnierte Saitenhalter ist aus Ebenholz geschnitzt und mit einem Spezialseil am Gurthalteknopf befestigt. Dieses besteht aus einem Seide-Kunstfaser-Gemisch, welches den Ton schneller und detailgetreuer übertragen soll als das übliche steife Plastikseil. Auch für den Steg wurde Ebenholz verwendet. Idealerweise sollte das Oberteil des Stegs genau auf dem Unterteil aufliegen, so dass man eine "full-contact-bridge" hat, die eine bessere Übertragung des Tons garantiert. Mit den beiden Stellschrauben kann man die Höhe des Stegs jedoch bei Bedarf nach oben anpassen. Das Schlagbrett ist eine Sonderanfertigung aus furniertem Ebenholz, welches ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Es ist zwischen dem Steg und dem Hals befestigt, ohne die Decke zu berühren und enthält die drei Regler für die Einstellung der Pickups.

Der eingeleimte Hals besteht aus zwei Teilen Acajou-Mahagony, die in der Mitte mit einem schmalen Streifen Anegre-Holz voneinander abgesetzt sind. Die Abdeckplatte des Halsfusses und die Auflage der Kopfplatte bestehen aus Ebenholz. Auch das Griffbrett wurde aus diesem wertvollen Hartholz hergestellt und kommt ganz ohne Schmuck aus, sieht man einmal von den kleinen Perlmuttpunkten an der Seite zur Bundmarkierung ab. 24 schmale und polierte Bünde sind sauber und ohne Binding eingepasst. Der handgeschnitzte Sattel aus Knochen bildet den Übergang zur Kopfplatte, deren Ebenholz-Auflage noch einmal mit Nussbaum furniert ist, was einen stimmigen Gesamteindruck schafft. Sechs Grover Imperial Mechaniken mit handgeschnitzten Flügeln aus Kunststoff von Crazy Guitar Parts in Harsum sorgen für eine gute Stimmung. Die Jazzability Deluxe hat zwei Tonabnehmer, was auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist. Der zweite Pickup ist nämlich im Steg eingebaut und ist ein Piezo-Tonabnehmer von Schertler. Der am Schlagbrett befestigte floating Pickup ist ein Harry Häussel Ebenholz Custom Humbucker. Die für zwei so unterschiedliche Tonabnehmer Systeme notwendige Steuerungselektronik ist ein Prototyp von Schertler, der sich Dual Amp nennt. Die drei Regler für das jeweilige Volumen und für den Master-Tone sind im Schlagbrett integriert. Dies ist eine Sonderanfertigung, deren Entstehung Claudio Pagelli auf meine Nachfrage hin so beantwortet: "Es macht einfach keinen Sinn, eine solche Decke zu verwenden, bis zum hintersten Winkel auf Ton zu hobeln, um dann Löcher für die Potis zu bohren und mit denselben dann die Decke amschwingen zu hindern. Ebenso würden drei Potis auf dem Schlagbrett ziemlich beim Spielen stören. So habe ich diese Lösung gefunden, die mich mit der Materialsuche und allen Fehlversuchen allein drei Tage Arbeit gekostet hat." Das Ganze funktioniert dann so, dass man jeden der beiden Pickups in der Lautstärke einstellen kann. Erwähnenswert ist dabei, dass man beide Regler auch vollständig herunter regeln kann, ohne dass die Lautstärke des anderen Tonabnehmers beeinflusst wird, so dass die Notwendigkeit für einen Umschalter entfällt. Bleibt noch zu ergänzen, dass der Klinkeneingang im Gurthalteknopf integriert ist.

Praxis
Die Jazzability ist sehr leicht und liegt trotz ihrer asymmetrischen Form angenehm auf den Knien. Ein zweiter Gurthalteknopf ist nicht vorhanden - aber wer würde in ein solches Kunstwerk ein Loch bohren wollen? Zudem ist die Jazzability für das Spielen im Sitzen wie geschaffen. Der Hals ist relativ schmal, aber wunderbar geformt und traumhaft zu bespielen. Die Saitenlage ist für meinen Geschmack sogar etwas zu flach, was sich aber durch ein kurzes Drehen an den beiden Stellschrauben am Steg korrigieren lässt. Dadurch verliert man den Vorteil, dass die Stegauflage festen Kontakt mit der Unterlage hat, was sich vor allem im akustischen Betrieb mit einem Verlust an Lautstärke bemerkbar macht. Das soll jedoch nicht als Kritik verstanden werden, da die akustische Leistung zum einen wirklich überragend ist, und man sich die Höhe des Stegs bei einer Maßanfertigung ohnehin auf den Leib schneidern lassen würde. Ich empfinde es eher als Vorteil, dass die Saitenlage auf Wunsch mit Hilfe der Stellschrauben erhöht werden kann. Bis hinauf zum 24. Bund sind alle Töne gut erreichbar und klingen bereits m akustischen Betrieb klar und transparent. Die akustische Lautstärke ist erstaunlich und wird sich mit den Jahren sicherlich noch steigern, wenn das Instrument erst einmal regelmässig gespielt wird. Die aufgezogenen Saiten der Stärke .012 von Thomastik sind geschliffen und vermitteln ein deutlich jazziges Spielgefühl.

Im elektrischen Betrieb weiss der Häussel-Pickup mit einem kristallklaren Klangbild zu überzeugen. Aus diesem Instrument kommt also keineswegs ein muffiger, eher nasaler oder dumpfer Ton - im Gegenteil. Wem das jedoch zu klar oder zu transparent ist, kann mit dem Mastertone-Regler fein dosiert nachjustieren. Der Steg-Tonabnehmer hat mich positiv überrascht. Zum einen ist die Lautstärke angenehmerweise gut an den Output des Humbuckers angepasst, zum anderen klingt er relativ rund und voll. Dieser Schertler-Pickup ist eine echte Sound-Alternative. Hinzu kommt, dass man beide Tonabnehmer stufenlos mischen kann, um einige wirklich feinnervige Klänge zu produzieren - bemerkenswert. Logischerweise hat beim Spielen über einen Amp ein solches Instrument eine natürliche Lautstärkegrenze. Diese kann jedoch durch den Einsatz der beiden mitgelieferten F-Loch-Stöpsel beträchtlich erweitert werden. Auch beim Spielen mit einer Rhythmusgruppe lässt sich die Jazzability also gut einsetzen. Man legt dieses Instrument auch nach langer Zeit nur ungern aus der Hand.
Resümee
Die Jazzability ist mit der Sonderausstattung des zweiten Pickups im Steg für die Freunde des akustischen Klangs einer Jazzgitarre gebaut. Es ist schön, ein solches Meister-Instrument in die Hand zu nehmen und darauf spielen zu dürfen. Mit Sicherheit gehört Claudio Pagelli zu den ersten Adressen für ausgefallene Instrumente auf der ganzen Welt. Und wenn ich einen Minuspunkt für den hohen Preis vergebe, dann nicht, weil die Gitarre diesen nicht wert wäre - vielmehr tut es mir leid, dass sich viele ein solches Instrument nicht werden leisten können.

Plus
Design
Verarbeitung
Hölzer
Konzept
Klang
Bespielbarkeit

Minus
Hoher Preis

Übersicht
Fabrikat: Claudio Pagelli
Modell: Jazzability Super Deluxe
Herkunftsland: Schweiz
Typ: Vollresonanz-Jazzgitarre mit F-Löchern und zwei Tonabnehmern
Mensur: 630 (mm)
Hals: Acajou-Mahagoni, dreiteilig, Ebenholzgriffbrett, 24 Bünde
Halsform: D, abgeflacht
Halsbreite: Sattel: ??; XII. Bund: ?? (mm)
Halsdicke: Sattel: ??; X. Bund: ?? (mm)
Binding: Ebenholz
Decke: Bergfichte, zweiteilig, handgeschnitzt
Korpus: Nussbaum, geflammt, Boden zweiteilig
Oberflächen: Nitrolack, Hochglanz handpoliert
Tonabnehmer: Harry Häussel Ebenholz Custom und Schertler Dual Amp Steg
Pickup (Prototyp)
Bedienfeld: 2x Volume, 1x Tone (im Schlagbrett integriert)
Steg: Ebenholz, verstellbar
Sattel: Knochen
Hardware: verchromt
Mechaniken: Grover Imperial mit custom made Flügeln (??:1)
Saitenlage: E-1st: ??; E-6th: ?? (mm)
Gewicht: ca. 2,7 (kg)



Gitarre&Bass, Ausgabe Mai 2003

von Dirk Groll

Was der Schweizer Claudio Pagelli zusammen mit seiner Frau Claudia entwirft, hat nicht nur kultige Größe im Ästhetischen, sondern überzeugt auch immer durch die innere Stimmigkeit. Der Jazzability Bass ist vom gleichnamigen Gitarren-Design abgeleitet.
Ein Instrument dieses Kalibers sieht man nicht alle Tage, allein was die Korpusgröße betrifft. Man sollte seinen Blick allerdings nicht allzu sehr ablenken lassen vom blauen Perloid, welches sich um den Holzkorpus schmiegt - übrigens weniger wehmütige Hommage an den Show-Glitzer längst vergangener Zeiten als vielmehr eine recht offensiv präsentierte Neuentdeckung des vor dreißig, vierzig Jahren noch viel verwendeten Materials. Nein, die eigentliche Seele des Jazzability-Designs liegt in der vollendeten Form, im genial proportionierten Schwung. Hier ist wiederum viel von der alten Eleganz der dickbauchigen Jazz-Gitarren präsent, und doch ist Pagellis Form eine eigene, bislang nicht da gewesene...

Konstruktion
Früher versteckte man unter dem Perloid vorzugsweise minderwertige Materialien, wer einer Fünziger-Jahre-Klampfe die Kunstleder- oder Zelluloid-Haut abzieht, wird darunter meistens ein Stück Tannenholz oder ähnliche Furchtbarkeiten
vorfinden. Natürlich ist der Pagelli-Bass nicht nur Designstück, sondern auch ein gutes Musikinstrument für hohe Ansprüche. Bei dem ausgehöhlten Mahagoni-Korpus (Khaya) handelt es sich freilich weniger um eine akustisch wirksame Halbresonanz-Konstruktion, dafür wäre das Klangholz mit 12 mm für Boden und Decke zu dick. Trotzdem hält sich der Jazzability Bass im Prinzip an die Halbresonanz-Konstruktionsweise und besitzt im Hohlkorpus einen eingeleimten Mittelblock, der seinerseits auch wieder ausgehöhlt ist. Man kann hier von einem "ausgehöhlten Solidbody" sprechen, was einerseits in Anbetracht der mächtigen Abmessungen Gewicht spart, andererseits sicherlich dem Klangverhalten charaktervolle Nuancen hinzufügt. Die perfekt sitzende Umhüllung des Holzbodys mit Zelluloid ist eine geheimnisvolle Kunst, die Pagelli von einem Spezialisten ausführen lässt. Das blaue Material mit dem Perlmutt-Schimmer schmiegt sich an die fein ausgearbeitete Korpusform wie angegossen.
Der aufgeschraubte Hals ist dreistreifig aus geflammtem Ahorn mit Graphit-Verstärkung gebaut. Das verwendete Holz wurde 30 Jahre abgelagert und nun nach der Verarbeitung nicht lackiert, sondern nur mit Öl versiegelt. Auf der eigenständig und elegant geformten Kopfplatte ist der blaue Zelluloid-Zierbelag durch ein schwarzes Binding eingefasst. Im Griffbrett aus Indischem Palisander sitzen 21 sauber abgerichtete und auf Hochglanz polierte Bundstäbchen. Edle Details müssen nicht immer auffällig sein: Damit der Spieler die Bundenden garantiert nicht merkt, ist das Griffbrett mit einer Einfassung aus Palisanderholz versehen.
Bei unserem Testbass handelt es sich um einen Design-Prototypen, der zwar durchweg ordentlich und solide verarbeitet ist, aber hier und dort doch mit einer gewissen Rustikalität auf die Handarbeit hinweist. Man kann dies im Vergleich mit der perfekt verarbeiteten Gesichtslosigkeit moderner Massenware auch sehr sympathisch finden, wie der Kunde, der diesen Jazzability Bass bereits bezahlt hat und sein Schulter-Tattoo in vereinfachter Form als Silber-Einlage in der 12. Lage wiederfindet.

Mechaniken
Die Pagellis sind stets auf der Suche nach speziellen Design-Details, die sich für ihre Instrumenten-Kreationen verwerten lassen. Beim Jazzability Bass fällt der grotesk fette Volumenregler als kultig-abgehobenes Element direkt ins Auge; Claudio hat dafür eine teure Designer-Eieruhr zerlegt und den Einstellknopf samt Skala mit einigem handwerklichen Aufwand für den neuen Einsatzzweck angepasst. Perfekt dazu passen die polierten Aluminium-Teile, die als Montageplatten für Schalter und Ausgangsbuchse angefertigt wurden.
Leider bieten die wenigsten Designer-Küchenmaschinen passende Teile, die sich als Steg oder als Stimmechaniken verwerten lassen - bei Pagelli würde dies sicherlich irre aussehen. Also hat man konventionelle Stimmechaniken von Hipshot (mit D-Tuner-Mechanik für die E-Saite) auf der Kopfplatte montiert und verwendet fürs andere Saitenende die Einzelstege von ABM. Die Gurthalter besitzen einschraubbare Endstücke, damit sich auch ausgeleierte Gurte nicht unerwünscht vom Instrument lösen können.

Tonabnehmer
Für eine potente Tonabnahme sind zwei Custom-Humbucker von Harry Häussel angefertigt worden. Diese edlen Zweispuler besitzen Gehäuse aus Ebenholz und dicke Alnico-Magnete im Music-Man-Stil. Mit separaten Schaltern - hierfür hat Pagelli die urigen Marquardt-Kippschalter ausgesucht - können die Tonabnehmer-Spulen von der seriellen Verdrahtung auf Parallel-Betrieb umgeschaltet werden. Oben auf dem Korpus sitzt der eigentliche Wahlschalter für die Pickups. Er wurde so montiert, dass er ohne Verrenkungen während des Spiels bedienbar ist, wenn man nämlich in der bassigen Halsposition anschlägt. Das komplette Elektro-Konzept läuft passiv, der Jazzability Bass ist also ohne Batterie überall und jederzeit einsatzbereit.

Handhabung
Diser Korpus ist breiter, als mancher Bassbody lang ist - und liegt ausgesprochen angenehm und sehr stabil am Körper. Die Gurtbalance ist ausgewogen, das angesichts der voluminösen Erscheinung komfortable Gewicht von nur 4,3 kg ist der Hohlkonstruktion des Bodys zu danken. Breit und flach ist der Viersaiter-Hals geformt, er spielt sich leichtgängig und bietet genügend Platz für saubere Grifftechnik. Bis zum 19. Bund ist der Pagelli-Bass ungehindert bespielbar, wobei wiederum die stabile Lage in der günstigsten Spielposition positiv auffällt.

Klangverhalten
Der Jazzability ist zwar nicht unmäßig schwer, hat aber als Klangbasis einen extrem großen Korpus zu bieten. Ungemein solide, sustainstark und durchsetzungskräftig schwingt bei diesem Instrument jeder Ton, dieser Viersaiter ist ein kräftiger Powerplayer! Die LSD-2000-Optik lässt leicht in den Hintergrund treten, dass hier hervorragende Klanghölzer verbaut wurden, was aber schon beim ersten Ton eindringlich ins Bewusstsein zurückkehrt. Bemerkenswert ist der konkrete Tonkörper, mit festen und belastbaren Mitten, aber auch fein drahtig und mit exakter Brillanz umrissen. Was man auf diesem Instrument spielt, kommt autoritär und körperstark rüber. Zudem ist der Jazzability mit einer schön singenden Obertonentwicklung gesegnet. Das markante Design ist also die noble Hülle für reichhaltige Tonqualitäten.
Harry Häussels Tonabnehmer sind für hervorragende Übertragungseigenschaften bekannt, besonders für feinzeichnende, geschmackvoll modernisierte Vintage-Sounds gelten seine Pickups als das Nonplusultra. Die beiden Humbucker im Music-Man-Stil vereinen pfundige Fundamentwiedergabe mit klarer Brillanz-Definition, was bestens zum kraftvollen Grundklang der Pagelli-Konstruktion passt. In der seriellen Schaltungsvariante bringen die Tonabnehmer saftig-fetten Humbucker-Druck mit prägnant kehligem Mittentimbre rüber, das erzeugt mächtig Dampf für ein tragendes und treibendes Band-Fundament. Mit parallel geschalteten Spulen präsentieren die Häussel-PUs den obertonstarken Holzton in gediegener, sauberer HiFi-Manier. In allen Einstellungen signalisiert der Pagelli-Bass mit lebendiger Dynamik offensive Kraft-Ressourcen, sein Ton springt bei dynamischen Variationen ausgesprochen temperamentvoll an.
Durch die vorhandenen Passiv-Schaltmöglichkeiten bietet der Jazzability Bass erstaunliche Variationsmöglichkeiten vom betont mittig-aggressiven Growl bis zu eleganten und transparent-cleanen Funksounds - hier fehlt kein Aktiv-EQ. Detailfeinheit und eindrucksvolle Dynamik kennzeichnen diesen Passiv-Sound der High-End-Klasse.

Resümee
Aus dem Hause Pagelli kommen derzeit die frischsten und vollkommensten Designs, was umso interessanter ist, als dass die klanglichen und ergonomischen Qualitäten der Instrumente auf dem gleichen hohen Niveau angesiedelt sind. Der Jazzability Bass begeistert gleichermaßen durch seine optische Erscheinung wie durch ein temperamentvoll-dynamisches und kraftstrotzendes Klangpotenzial. Einen so lebendigen, körperstarken und an singenden Obertönen reichen Ton findet man sehr selten, schon gar nicht so attraktiv verpackt. Die ausgefeilte Hohl-Konstruktion macht den riesigen Body tragbar und trägt sicherlich auch zum begeisternden Sound bei; im übrigen geht das Spiel auf dem machtvollen Instrument betont leicht vor der Hand, hier steht der Spielspaß im Vordergrund. Der Jazzability Bass ist ein großer Wurf der Pagellis, in Design, Spielspaß und Klangverhalten ein markanter Eigencharakter.

Plus
Klangverhalten
Dynamik, Körperstärke, Feinzeichnung
Design
Konstruktion, Ausstattung
Bespielbarkeit

Minus
Verarbeitungsspuren (erster Prototyp)

Übersicht
Fabrikat: Pagelli
Modell: Jazzability Bass
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Hohlkorpus
Herkunftsland: Schweiz
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; dreistreifig Riegelahorn, Graphit-verstärkt, mit Palisander-Griffbrett und Palisander-Einfassung, 21 Bünde
Halsbreite: Sattel 41,5 mm
12. Bund 55 mm
Saitenabstände Steg: 19 mm
Korpus: Khaya-Mahagoni, ausgehöhlt, mit ausgehöhltem Mittelblock
Oberflächen: Zelluloid
Tonabnehmer: passiv; 2x Häussel Custom Humbucker
Elektronik: passiv
Bedienfeld: Volumen, 2x Serie/Parallel-Schalter f. PUs, PU-Wahlschalter
Mechaniken: verchromt; halboffene Hipshot-Tuner, D-Tuner-Mechanik, ABM-Einzelstege, arretierbare Gurthalter
Gewicht: ca. 4,3 kg


Facts - Das Schweizer Nachrichtenmagazin, Ausgabe Nr. 32 August 2003
von Serge Hediger
Gesellschaft, Handwerk

Saiten-Wechsel
Gitarrenbauer - Claudio Pagelli war vor zwanzig Jahren eine nationale Popgrösse. Heute kaufen internationale Stars die begehrten Instrumente des Churers.

Überall lagert Holz. Balken sind an den Wänden gestapelt, Bretter liegen auf Regalen; Latten und Leisten auf den Werkbänken. Helles Holz, dunkles Holz. Hier Rio-Palisander, Olive, Ebenholz. Dort Ahorn und Erle. Hier 120 Jahre alt, dort 30-jährig. Dicht liegt Sägemehl, feinster Staub bedeckt Maschinen und Werkzeug. Die Nadel des Hygrometers an der Wand steht bei 48 Prozent. Riecht die Luft nach schwerer Eiche?

Claudio Pagelli steht zwischen Schleifmaschine und Säge seiner Werkstatt mitten in der Altstadt von Chur. Hier fertigt der 44-Jährige akustische und elektrische Gitarren - Einzelstücke, wenige Kleinserien, alle in Handarbeit. Die Instrumente tragen Namen wie Rockability, Django, Ratocaster. Pagelli rüstet damit die weltweit besten Gitarrenspieler aus.

Aus dem CD-Player spielen die Beatles "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band": Ostinati, Riffs, Breaks, Soli. Gitarren-Rock mit Zug. Pagelli dreht die Musik leiser und greift nach einem Stapel dünner Fichtenholzbretter: Holz aus Deutschland, gewachsen auf über 1500 Meter, über 70 Jahre alte Brettchen. Er zieht eines hervor. "Muesch lose", sagt Pagelli, wischt mit der Hand vorsichtig den Sägestaub weg, klopft das Brett liebevoll mit dem Zeigfingerknöchel ab und sagt: "Furztrocken. Ein Ton, so klar wie der einer Glocke."

Claudio Pagelli baut vor allem Jazz-Gitarren. Sankt Gallen, Luzern, Zürich - keine Schweizer Jazz-Schule, an der Lehrer nicht auf einem seiner Instrumente unterrichten. Pagelli ist der einzige Jazz-Gitarrenbauer der Schweiz. Und weltweit einer der besten. Das Fachmagazin "Gitarre & Bass" schrieb letzten Herbst in einem Testbericht: "Pagelli ist ein Magier der Formen. Nur wenigen Handwerkern gelingt es, erstklassige Instrumente zum Kunstwerk zu erheben." Und dieses Frühjahr lobte das Magazin den Churer[82] erneut: "Einen so lebendigen, körperstarken und an singenden Obertönen reichen Ton findet man sehr selten."

Die schöne Form, der reiche Ton - doch erst ein Dreiklang macht eine gute Gitarre aus. Ihre Bespielbarkeit kommt hinzu. Darüber gibt ein Foto Auskunft. Es hängt an der Wand in der Werkstatt und zeigt Dave Stewart, Gitarrist der Eurythmics ("Sweet Dreams Are Made of This"). Stewart spielt die Jazzability, ein Pagelli-Instrument. Der Hals der Gitarre ist aus geflammtem Ahorn, der Korpus aus Fichte und Ma- hagoni, überzogen mit goldglitzerndem Azetat, wie in den Sechzigerjahren üblich. Stewart steht auf der Erinnerungsfoto breitbeinig da, stolz wie ein Jäger, der seine Trophäe präsentiert. "Er war voll begeistert, und er hat diskussionslos voll bezahlt", sagt Pagelli. Warum das wichtig ist? Stars sind gewohnt, Instrumente geschenkt oder billiger zu erhalten.

Eine einfache Jazzability gibts ab 6500 Franken. Als vollakustische Jazzgitarre, gebaut aus erlesensten Hölzern mit aufwändig gehobelter Boden- und Deckenwölbung, einer Geige gleich, kann das Instrument gut und gern auf 18 000 Franken kommen.

Nicht immer kann der Handwerker seine Kunden so leicht erkennen wie einen Dave Stewart. Dieser Tage erkundigte sich ein David Torn per E-Mail nach dem Gitarren-Modell Beatmaster. Torn? Er spielt Gitarre für David Bowie. "Ich kannte ihn nicht", sagt Pagelli. Jetzt verhandeln die beiden.

Andere Interessenten kann Pagelli auf Anhieb einordnen. Jonas Hellborg beispielsweise, der bei Jazzheld John Mc Laughlin spielt. Er hat nach einem akustischen Bass verlangt. Bis Pagelli für ihn jedoch zum Werkzeug greift, werden noch viele Gespräche nötig sein.

"Ich spreche mit meinen Kunden, solange sie Zeit haben", sagt Pagelli. Er muss den Interessenten kennen lernen, es reicht ihm nicht, dass der Kunde kommt und sagt, er möchte ein Instrument wie das, das beispielsweise der Jazzer Chet Atkins spielt. Der Käufer hat eine Klangvorstellung: "Darum herum baue ich das Instrument. Nur die Finger von Chet Atkins kann ich ihm nicht geben." Viel später erst steht das Design, an dem Pagellis Frau Claudia arbeitet, stehen die zu verwendenden Materialien zur Debatte.

Gewissen Hölzern ist ihr Wert nicht anzusehen. Das Brett aus deutscher Fichte, das Pagelli noch einmal nach seinem glockenreinen Klang abklopft, zählt zum Wertvollsten, das ein Gitarrenbauer verwenden kann. Nicht weil das Holz von unersetzbarer Qualität wäre, sondern weil in ihm Historie mitschwingt. Aus exakt diesen Brettern bekamen Charlie Christian, Wes Montgomery und Freddy Green, gebaut von der amerikanischen Firma Gibson, einst die weltweit ersten Gitarren mit elektrischem Tonabnehmer gefertigt. Christian gilt als Pionier der E-Gitarre. Das war in den Dreissigerjahren. Pagelli hat die Restbestände des Holzes gekauft, "eine Trouvaille ohnegleichen" und ein Zufall: Das Holzlager in Deutschland wurde geräumt, Pagelli griff zu. Finanzieller Wert der Brettchen: ein paar hundert Franken. Emotionaler Wert: unbezahlbar. Das Holz wird für Decke und Boden von höchstens fünf Instrumenten reichen.

Im Sommer 1984 stand Claudio Pagelli, Gitarrist der New-Wave-Band Stitch, auf der Bühne am Openair Sankt Gallen. Die Festivalbesucher wollen "Compromise" hören, den Song, mit dem Stitch neben Bo Katzman und Slapstik vor zwanzig Jahren zu den bekanntesten Bands der Schweiz gehörten. Später fand Pagelli mit der Formation "este rito le sugerimos" noch einmal landesweite Beachtung.

Das ist nationale Musikgeschichte. Die spätere Entwicklung ist bekannt, die Gitarre verlor ihren Stellenwert in der Musik. "Wer im Zeitalter des Techno in den Neunzigerjahren einen Gitarrenkoffer trug", sagt Pagelli, "musste sich in den Augen der Spassgeneration wie ein Idiot fühlen." Die Zeiten elektronischer Dominanz laufen jedoch aus. Zu Pagellis Freude wird Musik wieder häufiger mit Instru-menten gemacht, steigen die Jungen wieder in die feuchten und muffigen Übungsräume - Britpop, Neo Punk, Nu Metal, Jazz, Folk. Die Gitarre feiert ein Comeback. Selbst Elektro und Hip Hop, lange Zeit die einzigen gitarrenfreien Musik-Genres, verzichten nicht mehr ganz auf das Instrument, Rapper Mos Def steht damit gar auf der Bühne.

Doch noch sind es die Alten, die sich für eine Pagelli Guitar interessieren. Jim Hall beispielsweise, Jazzer und Ziehvater von Pat Matheny. Hall sagte, als er kürzlich in Zürich auftrat, extra eine Autogrammstunde ab, um die Jazzability Archtop mit der gewölbten Decke nach dem Konzert in Ruhe zu testen. "Wäre ich etwas jün- ger, ich würde sie spielen", vertraute der grosse alte Mann des Bebop dem Gitarrenbauer aus Chur an. Und die amerikanische Jazz-Gitarrenbauer-Legende Bob Benedetto meinte: "Claudio baut die schönsten Gitarren, die ich je gesehen habe." "Das war für mich", sagt Pagelli, "das grösste Lob und wie die Absolution vom Papst."

Claudio Pagelli, gelernter Klavierbauer, zeigt sein Werkzeug. Die meisten Maschinen hat er für sich konstruieren lassen, es gibt sie nicht im Handel. Stechbeitel, nach der Grösse geordnet, hängen an der Wand. Der kleinste Hobel, den er etwa für eine gewölbte Decke verwendet, misst keine zwei Zentimeter in der Länge.

70 bis 100 Stunden arbeitet Pagelli an einer E-Gitarre, schnell einmal 200 Stunden steht er für eine Jazz-Gitarre an der Werkbank - ganze zehn Instrumente verlassen jährlich seine Werkstatt in Chur. Darum hat Pagelli, Jahre ist es her, INXS einen Korb geben müssen. Die australische Topband hatte vier Gitarren bestellt, aufs Mal. "Ich konnte sie nicht liefern", sagt Pagelli.

Handwerk dauert, und Pagelli sagt: "Jazz-Gitarren bauen - so stelle ich mir Meditation vor."


Gitarre&Bass, Ausgabe November 2002
von Dirk Groll

Splash Bass Pagelli
Die meisten Bässebauer sind gute Handwerker, viele haben auch eine glückliche Hand für Design und stimmige Formgebung. Manche erschaffen wirklich eigenständige Instrumente, und nur einigen gelingt schließlich sogar, erstklassige Instrumente zum Kunstwerk zu erheben. Claudio Pagelli ist ein Magier der Formen, sein Splash Bass ein inspirierender Hinweis darauf, dass im Thema E-Bass noch viel größere Freiheiten stecken, als sie bislang genutzt wurden.

Wohlgemerkt ist der Splash Bass nicht trotz, sondern auch wegen seiner extravaganten Gestalt ein leicht spielbares Instrument. Leicht schon im direkten Sinne, denn die luftige Konstruktion wiegt gerade mal 3,6 Kilo. Das meisterliche an diesem Elektrobass ist die Verbindung von gestalterischer Vollkommenheit (wenn auch in dieser Radikalität sicher nicht dem gesetzteren Geschmack schmeichelnd) und den kompromisslos hohen Qualitäten als Musikinstrument. Hier handelt es sich nicht um eine schöne Skulptur, sondern um einen ausgereiften Bass, der sich vor den Edelprodukten konventioneller Form keinesfalls verstecken muss. Und „konventionell“ wirkt neben dem Splash Bass wohl fast jedes andere Instrument.

Space-Vintage
Die erste Assoziation geht in die Siebziger, obwohl es damals keinen vergleichbaren Bass gab. Aber die leuchtend orange Ganzkörperlackierung und die fetten Aluknöpfe setzen eindeutig diese Marke. Das geschwungene Schlagbrett aus weißem Plexiglas ist nicht einfach auf den Korpus aufgeschraubt, was wegen der Rundungen auch nicht spannungsfrei möglich wäre. Vielmehr schwebt es ohne Verspannungen über dem gewölbten Body und steht auf individuell abgelängten Distanzhülsen. Ohne übrigens in irgendeiner Spielhaltung zu stören, vielmehr bietet die Oberkante des Schlagbretts eine willkommene Daumenmulde.
Für den eingeleimten Hals hat Pagelli 30 Jahre alten Ahorn verwendet und die erstaunlich konventionelle Holzauswahl mit einem Palisander-Griffbrett abgerundet. Die 22 schmalen Vintage-Bundstäbchen setzen dem für den Detailbetrachter noch die Krone auf, der Splash ist in Wirklichkeit ein Vintage-Bass! Aber klar, da war ja von Anfang an die Siebziger-Stimmung drin.
Und eine kleine Frechheit gegenüber den vielen Jazz-Bass-Bauern ist die traditionelle Basis im Space-Outfit auch.

Konsequenz
Der schlanke Hals spielt sich mühelos und fällt wie selbstverständlich in die Hand, hier wird nicht durch exotische Form- oder Maßgebung behelligt. Vintagemäßig im besten Sinne eben. Auf der bauchigen Reversed-Kopfplatte sitzt ein poppiges Plexi-Logo, und Glamour-Pop sind Pagellis klunkerige Schmuckknöpfe an den gekapselten Schaller-Tunern. Eine besondere Schönheit sind die ovalen Tonabnehmer-Kappen, aus Aluminium angefertigt und von Harry Häussel mit einem Singlecoil-Innenleben (textilumsponnene Anschlussdrähte, Vintage!) versehen.
Konsequenterweise arbeitet der Bass rein passiv, organisiert aber die Mischung der drei Tonabnehmer intelligent mit den einfachsten Mitteln. Hals- und Steg-Tonabnehmer sind (ja, wie beim alten Jazz Bass) mit separaten Volumenreglern dosierbar. Ein Druck auf den Knopf des Steg-Volumenpotis schaltet den mittleren Tonabnehmer ein. Damit sind wirklich alle Tonabnehmer-Kombinationen abrufbar, was dem Splash sechs verschiedene Grundsounds und viele Mischvarianten dazwischen beschert. Für den letzten Klangschliff steht eine schlichte, dezent abgestimmte Höhenblende bereit.

Haltung
Das aus Erlenholz geformte Korpusgebilde liegt angenehm am Körper und bringt alle Anlagen für eine kopflastfreie Balance mit. Das Korpushorn wirkt wie ein herausgeschleuderter Tropfen und ragt bis zur 11. Halslage hervor. Pagelli hat die Gurtaufhängung so positioniert, dass der Splash sich in der Waagerechten einpendelt. Man hätte sie auch etwas höher am Horn befestigen können, dann wäre der Bass völlig neutral in Balance. Aber die andere Spielhaltung kommt optisch viel cooler, Beat-gemäßer rüber, das wird sicherlich der Grund für diese Entscheidung gewesen sein.
Auf die Göldo-Gurthalter kann man wahlweise einen Gurt mit Security-Locks-Gegenstücken aufklicken, aber auch einen normalen Gurt sicher befestigen; es sind zusätzlich große Rändelschrauben beigefügt, die man auf die Gurthalter draufdreht, um den Gurt zu fixieren. Man könnte an dieser Lösung aussetzen, dass man die Schraubkappen verlieren kann. Aber wer einen Pagelli-Bass spielt, verliert die Dinger nicht.

Sound
Im Widerspruch zur opulenten Formenvielfalt steht die konsequente Reduktion auf altbewährte Werkstoffe die schlicht ausgeführte Elektro-Ausstattung. Keine exotischen Wunderhölzer, kein 36-Lagen-Hals, keine Aktiv-Elektronik mit irren Sounds. Vielleicht löst sich der Widerspruch ja auf, wenn man den Splash einstöpselt.
Man kommt zunächst in den Genuß bemerkenswert kultivierter tonaler Grundqualitäten, jeder Ton spricht seidig-sensibel und mit vollem Volumen an, das gesunde Sustain ist spektral ausgewogen und sehr gleichmäßig übers gesamte Griffbrett vorhanden. Das klingt gar nicht nach altbackenen Zutaten, und wenn, dann müssen sie vom Feinsten sein. In seinen Basisqualitäten ist der Splash Bass kein schräger Exzentriker und stellt einen schönen, sehr präzise kontrollierbaren Ton mit runder Praxistauglichkeit bereit. Der übrigens auch einen Vintage-Fan überzeugen wird.
Ähnlich verhält es sich mit den vielfältigen Nuancen der Elektro-Sounds, allesamt durch Stimmigkeit und Ausgewogenheit geprägt und dabei ihre ganz eigenen, charakterstarken Färbungen einbringen. Der Pagelli-Bass bringt erstaunlicherweise auch in wenig präsenten Einstellungen eine wunderbare Detailauflösung zu Gehör, was man sowohl der Holzkonstruktion wie auch den Singlecoils gutschreiben darf. Dadurch bietet er nuancierte Ausdruckmöglichkeiten wie ein moderner Edelbass mit der groovestarken Körperhaftigkeit eines dichten Vintage-Sounds.

Resümee
Claudio Pagelli erzeugt zwischen moderner Form und vintagemäßig reduzierter Ausführung beim Splash Bass eine inspirierende Spannung, und er versteht es, diese Spannung auch auf das eigentümliche, doch in jeder Hinsicht ansprechende Klangverhalten des Instruments zu übertragen. Gerade durch die streng aufs Konventionelle, Altbewährte beschränkte Wahl der Mittel führt der skulpturhaft gestaltete Splash Bass umso deutlicher vor Augen, welches Potential in der scheinbar altbackenen, durch zahllose Vervielfältigung und Verbreitung ausgelutschten Grundkonzeption eines „stinknormalen“ E-Basses noch steckt. Diese Leistung von Claudio Pagelli und seiner Frau Claudia, die massgeblich an den Designs beteiligt ist, darf man erleuchtend nennen.

Übersicht
Fabrikat: Pagelli
Modell: Splash Bass
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Schweiz
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: eingeleimt; Ahorn mit Palisander-Griffbrett, 22 schmale Bünde
Halsbreite: Sattel 40,5 mm
12. Bund 53 mm
Saitenabstände Steg: 18 mm
Korpus: Erle
Oberflächen: Hochglanzlack
Tonabnehmer: passiv; 3x Pagelli/Häussel Singlecoil
Elektronik: passiv
Bedienfeld: 2x Volumen, Push/Pull-Schalter für mittleren PU, Höhenblende
Mechaniken: verchromt; gekapselte Schaller/Pagelli-Tuner, ABM-Einzelstege, Göldo-Gurthalter
Gewicht: ca. 3,6 kg
Vertrieb: Pagelli Guitars, CH-7000 Chur
Preis: ca. Euro 5300,-

Gitarre&Bass, Ausgabe Mai 2002
Musikmesse Frankfurt

Bässe (von Dirk Groll)
Was ein eigenständiges und frisches Design angeht, gehörte der Splash Bass von Claudio Pagelli zu den absoluten Lichtblicken dieser Musikmesse. Eindeutig zeigen die prägnanten und bis ins Detail harmonisch ausgearbeiteten Instrumenten-Designs des Schweizers hohe künstlerische Qualitäten, und nicht nur das Bassdesign-As Michael Tobias sowie etliche Fotografen aus Fernost studierten die schönen Pagelli-Instrumente eingehend aus der Nähe.

Akustische Gitarren (von Ebo Wagner)
Schon mal etwas von Claudio Pagelli gehört? Nein?! Dann wollen wir diese Bildungslücke mal schliessen. Claudio hat seine Werkstatt in Chur/Schweiz, und er fertigt dort in kleinsten Stückzahlen Instrumente, die in Qualität und Design zum absoluten Top-End zu zählen sind. Er verwirklicht dabei nicht nur seine eigenen (unkonventionellen) Ideen , sondern arbeitet eng mit dem Kunden zusammen an Individuallösungen. Claudio schafft es, z.B. auch Gitarren mit ungewöhnlichen Mensuren und Abmessungen zu hochkultivierten Instrumenten zu machen. Ein Meister seines Faches, eigentlich schon darstellender Künstler, der nur die allerbesten Tonhölzer verwendet.



BassPlayer April 2002 (Elton Bradmann)
Going to Extremes, winter namm show
Swiss luthier Claudio Pagelli came with a tentatively titled Splash Bass prototype he describes as a «4-string fretted orange ’60s funkwonder». (See page 51.) At the Schertler booth, fretless freaks were enchanted by Pagelli’s sleek and freaky Golden Fretless 4-string, now owned by Schertler. (In case you’re interested, Schertler has turned down offers of up to $10,000. Check Pagelli’s Web site for more interesting variations - and news on upcoming production negotiations.

X-ACT, Music Magazine, Nr. 54 Mai 2001
Musikmesse Frankfurt 2001 (von Harry Brunner)
Da fiel dem Harry Brunner die Kinnlade einen Stock tiefer! Eine unglaubliche Gitarrendreifaltigkeit, in einem Traum aus Perloid, mit chromglänzendem Bigsby, Grover Imperial Mechaniken und F-Löchem die einem LSD Trip entsprungen sein könnten, geschaffen vom Schweizer Gitarristen und Gitarrenbauer Claudio Pagelli, war einer der wildesten Blickfänge der Frankfurter Messe! Pagelli ist einer der Allergrößten, wenn es darum geht innovativ; originell und handwerklich präzise zu sein, die Bilder seiner unglaublichen Akkustikgitarre werden wohl weltweit durch die Musikpresse wandern, derartig exzentrische Schönheit hatten wir bisher noch nicht gesehen!
Claudio zeigte mir zusätzlich die unglaubliche Akkustikgitarre, die er für den St. Galler Künstler Louis Christ gebaut hat, ein Wunderwerk an Form und Ausführung! Alleine schon die Schönheit der verwendeten Hölzer und die Features an diesem Instrument sind es wert, ein Museum dafür zu bauen!

Schweizer Illustrierte, Nr. 30 Juli 1998
Schön für Hand, Auge und Ohr. Luxus

music scene, das Schweizer Musikmagazin, Nr. 8 Oktober 1998
Wow, was für ein Design! Absolut bestechend sieht er aus der Pagelli Bundlos Bass.

Musiker Magazin, Nr. 4 April 1987
Messereport Musikmesse Frankfurt, von Dirk Groll
Bass, Pagelli
Ein junger Bässe- und Gitarrenbauer aus der Schweiz war mit einem wunderschönen handgearbeiteten Fretless vertreten, dessen edle und geschmackvolle Holzkombination mit starker Maserung und Zeichnung schon von weitem ins Auge fiel. Bestückt mit Alembic-Activator-Jazzbass-Pick-ups liess das Schweizer Präzisionsprodukt auch soundmässig keine Wünsche offen – von diesem Custom-Hersteller wird man noch hören!