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Gitarre&Bass,
Ausgabe Februar 2005
Testbericht
«Reminiscence»-Bass
von Dirk Groll |



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«Die
Schweizer Gitarrenschmiede» Homestory
von Ebo Wagner und Masterpiece
Pagelli «Avantair» Testbericht
von Heinz Rebellius
...zu
finden im Gitarre&Bass Magazin, Ausgabe 01/2005

...und
Testbericht «Reminiscence»
Bass
von
Dirk Groll im Gitarre&Bass Magazin,
Ausgabe
02/2005
Edit:
Dieter Roesberg |
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«Avantair»-Elektro-Gitarre
Testbericht
von Heinz Rebellius im Gitarre&Bass Magazin, Januar 2005

Gitarre&Bass,
Ausgabe 1/2005 |
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Akustik-Gitarre,
Ausgabe 6/2004
Testbericht
«Jazzyflat» von Andreas Schulz

Gitarre&Bass,
Ausgabe Juni 2004
Musikmesse
Frankfurt 2004
E-Gitarren
(von
Michael Dommers)
...und nicht zuletzt Claudio Pagelli, der sicherlich zu den ideenreichsten
und innovativsten Gitarrenbauern gezählt werden darf.
Bässe
(von
Dirk Groll)
Marleaux...und baut jetzt auch den aufregenden Fretless der Avantgarde-Marke
Pagelli, und die ersten vier Exponate sorgten schon für gehörige
Aufmerksamkeit. Pagelli selbst hatte eine ausgesprochen geschmackvolle
Hommage an das Music-Man-Konzept mit meisterlicher Ausgewogenheit designed,
vorläufiger Name des neuen Modells ist Bass'sick.
Bass-Zubehör
(von
Dirk Groll)
Die Familie Pagelli ist nicht nur im Instrumenten-Design Vorreiter, Claudia
kümmert sich auch um stilvolles Zubehör. Auffällig waren
jedenfalls ihre phantasievoll gestalteten Gitarrengurte, die als Einzelstücke
in Handarbeit angefertigt werden.
Akustik
Gitarren (von
Thomas Jeschonnek)
Die vielleicht auffälligste Akustik-Gitarre der Mese stammte (wieder
einmal) von dem Schweizer Claudio Pagelli. Wohlgeformte Rundungen, eine
Ebenholz-Korpus und eine Haselfichten-Decke zeichnen die «Jazzyflat»
aus, deren Extravaganz und aussergewöhnlicher Ton natürlich
ihren Preis fordert.
Gitarre&Bass,
Ausgabe Mai 2004
Trends und
Highlights an der Musikmesse Frankfurt 2004
E-Gitarren
(von
Michael Dommers)
Seit 27 Jahren bekannt für aussergewöhnliche, geschmackvolle,
innovative und farbenfrohe Gitarrendesigns ist der Schweizer Claudio Pagelli.
In sein Modell «Avantair» hat er den AirFX-Prozessor von Alesis
integriert, dessen Modulationseffekte sich über einen Infrarot-Strahl
manuell in Echtzeit steuern lassen. Abhängig von der Entfernung oder
aus welcher Richtung sich die Hand dem Strahl nähert, lassen sich
gleich mehrere Parameter simultan kontrollieren. Zudem stehen 50 Programmspeicher
zu Verfügung. Selbstverständlich lässt sich die «Avantair»
mit ihren beiden Pickups auch als normale Gitarre einsetzen. Das einzigartige,
handgefertigte Instrument mit hohem Spass- und Kreativitätsfaktor
ist für runde EUR 5000 zu haben.
Bässe (von
Dirk Groll)
Avantgardist Claudio Pagelli hat die Produktion seines bundlosen Künstlerinstruments
dem in gediegener Qualität erfahrenen Bassbauer Marleaux übertragen
(und hatte übrigens selber eine fein-geschmackvolle Vintage-Variation
des Themas MusicMan dabei). Gitarre&Bass,
Ausgabe Mai 2003
Musikmesse Frankfurt
Bässe (von Dirk Groll)
... und natürlich konnte der Schweizer Meisterdesigner Pagelli sich
mit dem neuen Jazzability-Bass im blauen Zelluloid-Kleid wieder einiges
Aufsehen erregen...
Akustische Gitarren (von Andrea Scheffler)
Der unangefochtene Champion unter den Gitarrendesignern war wie im Vorjahr
Claudio Pagelli. Der Schweizer begeisterte wieder mit beispiellos form-
und klangvollendeten Kreationen. Die Gitarren sind irgendwo schon Kunstwerke,
bei denen Form und Funktion geschmeidig verschmelzen, wie z. B. im Falle
einer kleinen Armauflage am Korpus, die über der Decke schwebt und
damit verhindert, dass die Deckenschwingungen beeinträchtigt werden,
aber eigentlich aussieht wie ein optisches i-Tüpfelchen. (Gitarre
Fifties Artwork Die Silbermedaille geht nach...

Gitarre&Bass,
Ausgabe Juni 2003
von Frank Haunschild
Jazzability Super Deluxe
Der
im schweizerischen Chur ansässige Gitarrenbauer Claudio Pagelli ist
eine Ausnahmeerscheinung auf dem Markt. Seine schrill-schrägen Formen
sorgen überall für Aufmerksamkeit, und die Qualität seiner
exklusiven Instrumente wurde von vielen berühmten Kollegen wie z.B.
Bob Benedetto gerühmt und auch an dieser Stelle bereits festgestellt.
Claudio
Pagelli baut pro Jahr nur ungefähr 10 Instrumente, und hat bis heute
einigen Versuchungen widerstanden, seinen Betrieb zu expandieren und damit
mehr Instrumente herzustellen. So führt er bis heute gemeinsam mit
seiner Frau Claudia die Werkstatt als Familienbetrieb fort. Auf abenteuerlichen
Wegen aus der Schweiz zu mir gelangt, liegt heute die Super
Deluxe Version seiner Archtop mit dem Namen Jazzability zum Testen vor.
Konstruktion
Augenfälligstes
Merkmal aller Pagelli Gitarren ist ihre ungewöhnliche Form, als hätte
ein Riese mit überirdischen Kräften das Instrument einmal kurz
in die Quere gezogen. Doch diese unsymmetrische Form hat nicht nur designbedingte
Gründe, sondern auch handfeste klangliche Vorteile. Beginnen wir
mit der zweiteiligen handgeschnitzten Fichtendecke, deren Holz vor über
80 Jahren vom Vater eines 90jährigen Instrumentenbauers aus Chur
geschlagen wurde. In diese Decke sind unsymmetrische F-Löcher im
Pagelli-Design geschnitten und mit einer Rand-Einfassung aus Ebenholz
versehen. Für diese F-Löcher liegen dem Instrument maßgefertigte
Stöpsel bei, um diese bei Bedarf zur Reduktion eines möglichen
Feedbacks einzusetzen. Der gesamte Korpus ist vorne und hinten mit einem
Binding aus Ebenholz eingefasst.
Auch das Holz, welches für die Zargen und den zweigeteilten Boden
verwendet wurde, kann mit einer kleinen Geschichte aufwarten: es ist Nussbaum,
der vor über 150 Jahren geschlagen wurde und seither als Eingangstreppe
einer herrschaftlichen Schweizer Villa diente, die vor etwa 20 Jahren
abgerissen wurde. Der geneigte Leser wird ob soviel Historie sicherlich
anfangen zu schmunzeln, aber solche Geschichten sind doch so etwas wie
das Salz in der Suppe bei einem Gitarrentest, weshalb ich sie hier einmal
genau so weitergeben möchte.
Der
mit Nussbaum furnierte Saitenhalter ist aus Ebenholz geschnitzt und mit
einem Spezialseil am Gurthalteknopf befestigt. Dieses besteht aus einem
Seide-Kunstfaser-Gemisch, welches den Ton schneller und detailgetreuer
übertragen soll als das übliche steife Plastikseil. Auch für
den Steg wurde Ebenholz verwendet. Idealerweise sollte das Oberteil des
Stegs genau auf dem Unterteil aufliegen, so dass man eine "full-contact-bridge"
hat, die eine bessere Übertragung des Tons garantiert. Mit den beiden
Stellschrauben kann man die Höhe des Stegs jedoch bei Bedarf nach
oben anpassen. Das Schlagbrett ist eine Sonderanfertigung aus furniertem
Ebenholz, welches ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Es ist zwischen
dem Steg und dem Hals befestigt, ohne die Decke zu berühren und enthält
die drei Regler für die Einstellung der Pickups.
Der
eingeleimte Hals besteht aus zwei Teilen Acajou-Mahagony, die in der Mitte
mit einem schmalen Streifen Anegre-Holz voneinander abgesetzt sind. Die
Abdeckplatte des Halsfusses und die Auflage der Kopfplatte bestehen aus
Ebenholz. Auch das Griffbrett wurde aus diesem wertvollen Hartholz hergestellt
und kommt ganz ohne Schmuck aus, sieht man einmal von den kleinen Perlmuttpunkten
an der Seite zur Bundmarkierung ab. 24 schmale und polierte Bünde
sind sauber und ohne Binding eingepasst. Der handgeschnitzte Sattel aus
Knochen bildet den Übergang zur Kopfplatte, deren Ebenholz-Auflage
noch einmal mit Nussbaum furniert ist, was einen stimmigen Gesamteindruck
schafft. Sechs Grover Imperial Mechaniken mit handgeschnitzten Flügeln
aus Kunststoff von Crazy Guitar Parts in Harsum sorgen für eine gute
Stimmung. Die Jazzability Deluxe hat zwei Tonabnehmer, was auf den ersten
Blick nicht ersichtlich ist. Der zweite Pickup ist nämlich im Steg
eingebaut und ist ein Piezo-Tonabnehmer von Schertler. Der am Schlagbrett
befestigte floating Pickup ist ein Harry Häussel Ebenholz Custom
Humbucker. Die für zwei so unterschiedliche Tonabnehmer Systeme notwendige
Steuerungselektronik ist ein Prototyp von Schertler, der sich Dual Amp
nennt. Die drei Regler für das jeweilige Volumen und für den
Master-Tone sind im Schlagbrett integriert. Dies ist eine Sonderanfertigung,
deren Entstehung Claudio Pagelli auf meine Nachfrage hin so beantwortet:
"Es macht einfach keinen Sinn, eine solche Decke zu verwenden, bis
zum hintersten Winkel auf Ton zu hobeln, um dann Löcher für
die Potis zu bohren und mit denselben dann die Decke amschwingen zu hindern.
Ebenso würden drei Potis auf dem Schlagbrett ziemlich beim Spielen
stören. So habe ich diese Lösung gefunden, die mich mit der
Materialsuche und allen Fehlversuchen allein drei Tage Arbeit gekostet
hat." Das Ganze funktioniert dann so, dass man jeden der beiden Pickups
in der Lautstärke einstellen kann. Erwähnenswert ist dabei,
dass man beide Regler auch vollständig herunter regeln kann, ohne
dass die Lautstärke des anderen Tonabnehmers beeinflusst wird, so
dass die Notwendigkeit für einen Umschalter entfällt. Bleibt
noch zu ergänzen, dass der Klinkeneingang im Gurthalteknopf integriert
ist.
Praxis
Die
Jazzability ist sehr leicht und liegt trotz ihrer asymmetrischen Form
angenehm auf den Knien. Ein zweiter Gurthalteknopf ist nicht vorhanden
- aber wer würde in ein solches Kunstwerk ein Loch bohren wollen?
Zudem ist die Jazzability für das Spielen im Sitzen wie geschaffen.
Der Hals ist relativ schmal, aber wunderbar geformt und traumhaft zu bespielen.
Die Saitenlage ist für meinen Geschmack sogar etwas zu flach, was
sich aber durch ein kurzes Drehen an den beiden Stellschrauben am Steg
korrigieren lässt. Dadurch verliert man den Vorteil, dass die Stegauflage
festen Kontakt mit der Unterlage hat, was sich vor allem im akustischen
Betrieb mit einem Verlust an Lautstärke bemerkbar macht. Das soll
jedoch nicht als Kritik verstanden werden, da die akustische Leistung
zum einen wirklich überragend ist, und man sich die Höhe des
Stegs bei einer Maßanfertigung ohnehin auf den Leib schneidern lassen
würde. Ich empfinde es eher als Vorteil, dass die Saitenlage auf
Wunsch mit Hilfe der Stellschrauben erhöht werden kann. Bis hinauf
zum 24. Bund sind alle Töne gut erreichbar und klingen bereits m
akustischen Betrieb klar und transparent. Die akustische Lautstärke
ist erstaunlich und wird sich mit den Jahren sicherlich noch steigern,
wenn das Instrument erst einmal regelmässig gespielt wird. Die aufgezogenen
Saiten der Stärke .012 von Thomastik sind geschliffen und vermitteln
ein deutlich jazziges Spielgefühl.
Im
elektrischen Betrieb weiss der Häussel-Pickup mit einem kristallklaren
Klangbild zu überzeugen. Aus diesem Instrument kommt also keineswegs
ein muffiger, eher nasaler oder dumpfer Ton - im Gegenteil. Wem das jedoch
zu klar oder zu transparent ist, kann mit dem Mastertone-Regler fein dosiert
nachjustieren. Der Steg-Tonabnehmer hat mich positiv überrascht.
Zum einen ist die Lautstärke angenehmerweise gut an den Output des
Humbuckers angepasst, zum anderen klingt er relativ rund und voll. Dieser
Schertler-Pickup ist eine echte Sound-Alternative. Hinzu kommt, dass man
beide Tonabnehmer stufenlos mischen kann, um einige wirklich feinnervige
Klänge zu produzieren - bemerkenswert. Logischerweise hat beim Spielen
über einen Amp ein solches Instrument eine natürliche Lautstärkegrenze.
Diese kann jedoch durch den Einsatz der beiden mitgelieferten F-Loch-Stöpsel
beträchtlich erweitert werden. Auch beim Spielen mit einer Rhythmusgruppe
lässt sich die Jazzability also gut einsetzen. Man legt dieses Instrument
auch nach langer Zeit nur ungern aus der Hand.
Resümee
Die Jazzability ist mit der Sonderausstattung des zweiten Pickups im Steg
für die Freunde des akustischen Klangs einer Jazzgitarre gebaut.
Es ist schön, ein solches Meister-Instrument in die Hand zu nehmen
und darauf spielen zu dürfen. Mit Sicherheit gehört Claudio
Pagelli zu den ersten Adressen für ausgefallene Instrumente auf der
ganzen Welt. Und wenn ich einen Minuspunkt für den hohen Preis vergebe,
dann nicht, weil die Gitarre diesen nicht wert wäre - vielmehr tut
es mir leid, dass sich viele ein solches Instrument nicht werden leisten
können.
Plus
Design
Verarbeitung
Hölzer
Konzept
Klang
Bespielbarkeit
Minus
Hoher Preis
Übersicht
Fabrikat: Claudio Pagelli
Modell: Jazzability Super Deluxe
Herkunftsland: Schweiz
Typ: Vollresonanz-Jazzgitarre mit F-Löchern und zwei Tonabnehmern
Mensur: 630 (mm)
Hals: Acajou-Mahagoni, dreiteilig, Ebenholzgriffbrett, 24 Bünde
Halsform: D, abgeflacht
Halsbreite: Sattel: ??; XII. Bund: ?? (mm)
Halsdicke: Sattel: ??; X. Bund: ?? (mm)
Binding: Ebenholz
Decke: Bergfichte, zweiteilig, handgeschnitzt
Korpus: Nussbaum, geflammt, Boden zweiteilig
Oberflächen: Nitrolack, Hochglanz handpoliert
Tonabnehmer: Harry Häussel Ebenholz Custom und Schertler Dual Amp
Steg
Pickup (Prototyp)
Bedienfeld: 2x Volume, 1x Tone (im Schlagbrett integriert)
Steg: Ebenholz, verstellbar
Sattel: Knochen
Hardware: verchromt
Mechaniken: Grover Imperial mit custom made Flügeln (??:1)
Saitenlage: E-1st: ??; E-6th: ?? (mm)
Gewicht: ca. 2,7 (kg)

Gitarre&Bass, Ausgabe Mai 2003
von Dirk Groll
Was der Schweizer Claudio Pagelli zusammen mit seiner Frau Claudia entwirft,
hat nicht nur kultige Größe im Ästhetischen, sondern überzeugt
auch immer durch die innere Stimmigkeit. Der Jazzability Bass ist vom
gleichnamigen Gitarren-Design abgeleitet.
Ein Instrument dieses Kalibers sieht man nicht alle Tage, allein was die
Korpusgröße betrifft. Man sollte seinen Blick allerdings nicht
allzu sehr ablenken lassen vom blauen Perloid, welches sich um den Holzkorpus
schmiegt - übrigens weniger wehmütige Hommage an den Show-Glitzer
längst vergangener Zeiten als vielmehr eine recht offensiv präsentierte
Neuentdeckung des vor dreißig, vierzig Jahren noch viel verwendeten
Materials. Nein, die eigentliche Seele des Jazzability-Designs liegt in
der vollendeten Form, im genial proportionierten Schwung. Hier ist wiederum
viel von der alten Eleganz der dickbauchigen Jazz-Gitarren präsent,
und doch ist Pagellis Form eine eigene, bislang nicht da gewesene...
Konstruktion
Früher versteckte man unter dem Perloid vorzugsweise minderwertige
Materialien, wer einer Fünziger-Jahre-Klampfe die Kunstleder- oder
Zelluloid-Haut abzieht, wird darunter meistens ein Stück Tannenholz
oder ähnliche Furchtbarkeiten
vorfinden. Natürlich ist der Pagelli-Bass nicht nur Designstück,
sondern auch ein gutes Musikinstrument für hohe Ansprüche. Bei
dem ausgehöhlten Mahagoni-Korpus (Khaya) handelt es sich freilich
weniger um eine akustisch wirksame Halbresonanz-Konstruktion, dafür
wäre das Klangholz mit 12 mm für Boden und Decke zu dick. Trotzdem
hält sich der Jazzability Bass im Prinzip an die Halbresonanz-Konstruktionsweise
und besitzt im Hohlkorpus einen eingeleimten Mittelblock, der seinerseits
auch wieder ausgehöhlt ist. Man kann hier von einem "ausgehöhlten
Solidbody" sprechen, was einerseits in Anbetracht der mächtigen
Abmessungen Gewicht spart, andererseits sicherlich dem Klangverhalten
charaktervolle Nuancen hinzufügt. Die perfekt sitzende Umhüllung
des Holzbodys mit Zelluloid ist eine geheimnisvolle Kunst, die Pagelli
von einem Spezialisten ausführen lässt. Das blaue Material mit
dem Perlmutt-Schimmer schmiegt sich an die fein ausgearbeitete Korpusform
wie angegossen.
Der aufgeschraubte Hals ist dreistreifig aus geflammtem Ahorn mit Graphit-Verstärkung
gebaut. Das verwendete Holz wurde 30 Jahre abgelagert und nun nach der
Verarbeitung nicht lackiert, sondern nur mit Öl versiegelt. Auf der
eigenständig und elegant geformten Kopfplatte ist der blaue Zelluloid-Zierbelag
durch ein schwarzes Binding eingefasst. Im Griffbrett aus Indischem Palisander
sitzen 21 sauber abgerichtete und auf Hochglanz polierte Bundstäbchen.
Edle Details müssen nicht immer auffällig sein: Damit der Spieler
die Bundenden garantiert nicht merkt, ist das Griffbrett mit einer Einfassung
aus Palisanderholz versehen.
Bei unserem Testbass handelt es sich um einen Design-Prototypen, der zwar
durchweg ordentlich und solide verarbeitet ist, aber hier und dort doch
mit einer gewissen Rustikalität auf die Handarbeit hinweist. Man
kann dies im Vergleich mit der perfekt verarbeiteten Gesichtslosigkeit
moderner Massenware auch sehr sympathisch finden, wie der Kunde, der diesen
Jazzability Bass bereits bezahlt hat und sein Schulter-Tattoo in vereinfachter
Form als Silber-Einlage in der 12. Lage wiederfindet.
Mechaniken
Die Pagellis sind stets auf der Suche nach speziellen Design-Details,
die sich für ihre Instrumenten-Kreationen verwerten lassen. Beim
Jazzability Bass fällt der grotesk fette Volumenregler als kultig-abgehobenes
Element direkt ins Auge; Claudio hat dafür eine teure Designer-Eieruhr
zerlegt und den Einstellknopf samt Skala mit einigem handwerklichen Aufwand
für den neuen Einsatzzweck angepasst. Perfekt dazu passen die polierten
Aluminium-Teile, die als Montageplatten für Schalter und Ausgangsbuchse
angefertigt wurden.
Leider bieten die wenigsten Designer-Küchenmaschinen passende Teile,
die sich als Steg oder als Stimmechaniken verwerten lassen - bei Pagelli
würde dies sicherlich irre aussehen. Also hat man konventionelle
Stimmechaniken von Hipshot (mit D-Tuner-Mechanik für die E-Saite)
auf der Kopfplatte montiert und verwendet fürs andere Saitenende
die Einzelstege von ABM. Die Gurthalter besitzen einschraubbare Endstücke,
damit sich auch ausgeleierte Gurte nicht unerwünscht vom Instrument
lösen können.
Tonabnehmer
Für eine potente Tonabnahme sind zwei Custom-Humbucker von Harry
Häussel angefertigt worden. Diese edlen Zweispuler besitzen Gehäuse
aus Ebenholz und dicke Alnico-Magnete im Music-Man-Stil. Mit separaten
Schaltern - hierfür hat Pagelli die urigen Marquardt-Kippschalter
ausgesucht - können die Tonabnehmer-Spulen von der seriellen Verdrahtung
auf Parallel-Betrieb umgeschaltet werden. Oben auf dem Korpus sitzt der
eigentliche Wahlschalter für die Pickups. Er wurde so montiert, dass
er ohne Verrenkungen während des Spiels bedienbar ist, wenn man nämlich
in der bassigen Halsposition anschlägt. Das komplette Elektro-Konzept
läuft passiv, der Jazzability Bass ist also ohne Batterie überall
und jederzeit einsatzbereit.
Handhabung
Diser Korpus ist breiter, als mancher Bassbody lang ist - und liegt ausgesprochen
angenehm und sehr stabil am Körper. Die Gurtbalance ist ausgewogen,
das angesichts der voluminösen Erscheinung komfortable Gewicht von
nur 4,3 kg ist der Hohlkonstruktion des Bodys zu danken. Breit und flach
ist der Viersaiter-Hals geformt, er spielt sich leichtgängig und
bietet genügend Platz für saubere Grifftechnik. Bis zum 19.
Bund ist der Pagelli-Bass ungehindert bespielbar, wobei wiederum die stabile
Lage in der günstigsten Spielposition positiv auffällt.
Klangverhalten
Der Jazzability ist zwar nicht unmäßig schwer, hat aber als
Klangbasis einen extrem großen Korpus zu bieten. Ungemein solide,
sustainstark und durchsetzungskräftig schwingt bei diesem Instrument
jeder Ton, dieser Viersaiter ist ein kräftiger Powerplayer! Die LSD-2000-Optik
lässt leicht in den Hintergrund treten, dass hier hervorragende Klanghölzer
verbaut wurden, was aber schon beim ersten Ton eindringlich ins Bewusstsein
zurückkehrt. Bemerkenswert ist der konkrete Tonkörper, mit festen
und belastbaren Mitten, aber auch fein drahtig und mit exakter Brillanz
umrissen. Was man auf diesem Instrument spielt, kommt autoritär und
körperstark rüber. Zudem ist der Jazzability mit einer schön
singenden Obertonentwicklung gesegnet. Das markante Design ist also die
noble Hülle für reichhaltige Tonqualitäten.
Harry Häussels Tonabnehmer sind für hervorragende Übertragungseigenschaften
bekannt, besonders für feinzeichnende, geschmackvoll modernisierte
Vintage-Sounds gelten seine Pickups als das Nonplusultra. Die beiden Humbucker
im Music-Man-Stil vereinen pfundige Fundamentwiedergabe mit klarer Brillanz-Definition,
was bestens zum kraftvollen Grundklang der Pagelli-Konstruktion passt.
In der seriellen Schaltungsvariante bringen die Tonabnehmer saftig-fetten
Humbucker-Druck mit prägnant kehligem Mittentimbre rüber, das
erzeugt mächtig Dampf für ein tragendes und treibendes Band-Fundament.
Mit parallel geschalteten Spulen präsentieren die Häussel-PUs
den obertonstarken Holzton in gediegener, sauberer HiFi-Manier. In allen
Einstellungen signalisiert der Pagelli-Bass mit lebendiger Dynamik offensive
Kraft-Ressourcen, sein Ton springt bei dynamischen Variationen ausgesprochen
temperamentvoll an.
Durch die vorhandenen Passiv-Schaltmöglichkeiten bietet der Jazzability
Bass erstaunliche Variationsmöglichkeiten vom betont mittig-aggressiven
Growl bis zu eleganten und transparent-cleanen Funksounds - hier fehlt
kein Aktiv-EQ. Detailfeinheit und eindrucksvolle Dynamik kennzeichnen
diesen Passiv-Sound der High-End-Klasse.
Resümee
Aus dem Hause Pagelli kommen derzeit die frischsten und vollkommensten
Designs, was umso interessanter ist, als dass die klanglichen und ergonomischen
Qualitäten der Instrumente auf dem gleichen hohen Niveau angesiedelt
sind. Der Jazzability Bass begeistert gleichermaßen durch seine
optische Erscheinung wie durch ein temperamentvoll-dynamisches und kraftstrotzendes
Klangpotenzial. Einen so lebendigen, körperstarken und an singenden
Obertönen reichen Ton findet man sehr selten, schon gar nicht so
attraktiv verpackt. Die ausgefeilte Hohl-Konstruktion macht den riesigen
Body tragbar und trägt sicherlich auch zum begeisternden Sound bei;
im übrigen geht das Spiel auf dem machtvollen Instrument betont leicht
vor der Hand, hier steht der Spielspaß im Vordergrund. Der Jazzability
Bass ist ein großer Wurf der Pagellis, in Design, Spielspaß
und Klangverhalten ein markanter Eigencharakter.
Plus
Klangverhalten
Dynamik, Körperstärke, Feinzeichnung
Design
Konstruktion, Ausstattung
Bespielbarkeit
Minus
Verarbeitungsspuren (erster Prototyp)
Übersicht
Fabrikat: Pagelli
Modell: Jazzability Bass
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Hohlkorpus
Herkunftsland: Schweiz
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; dreistreifig Riegelahorn, Graphit-verstärkt,
mit Palisander-Griffbrett und Palisander-Einfassung, 21 Bünde
Halsbreite: Sattel 41,5 mm
12. Bund 55 mm
Saitenabstände Steg: 19 mm
Korpus: Khaya-Mahagoni, ausgehöhlt, mit ausgehöhltem Mittelblock
Oberflächen: Zelluloid
Tonabnehmer: passiv; 2x Häussel Custom Humbucker
Elektronik: passiv
Bedienfeld: Volumen, 2x Serie/Parallel-Schalter f. PUs, PU-Wahlschalter
Mechaniken: verchromt; halboffene Hipshot-Tuner, D-Tuner-Mechanik, ABM-Einzelstege,
arretierbare Gurthalter
Gewicht: ca. 4,3 kg

Facts
- Das Schweizer Nachrichtenmagazin, Ausgabe Nr. 32 August 2003
von Serge Hediger
Gesellschaft, Handwerk
Saiten-Wechsel
Gitarrenbauer - Claudio Pagelli war vor zwanzig Jahren eine nationale
Popgrösse. Heute kaufen internationale Stars die begehrten Instrumente
des Churers.
Überall lagert Holz. Balken sind an den Wänden gestapelt, Bretter
liegen auf Regalen; Latten und Leisten auf den Werkbänken. Helles
Holz, dunkles Holz. Hier Rio-Palisander, Olive, Ebenholz. Dort Ahorn und
Erle. Hier 120 Jahre alt, dort 30-jährig. Dicht liegt Sägemehl,
feinster Staub bedeckt Maschinen und Werkzeug. Die Nadel des Hygrometers
an der Wand steht bei 48 Prozent. Riecht die Luft nach schwerer Eiche?
Claudio
Pagelli steht zwischen Schleifmaschine und Säge seiner Werkstatt
mitten in der Altstadt von Chur. Hier fertigt der 44-Jährige akustische
und elektrische Gitarren - Einzelstücke, wenige Kleinserien, alle
in Handarbeit. Die Instrumente tragen Namen wie Rockability, Django, Ratocaster.
Pagelli rüstet damit die weltweit besten Gitarrenspieler aus.
Aus
dem CD-Player spielen die Beatles "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club
Band": Ostinati, Riffs, Breaks, Soli. Gitarren-Rock mit Zug. Pagelli
dreht die Musik leiser und greift nach einem Stapel dünner Fichtenholzbretter:
Holz aus Deutschland, gewachsen auf über 1500 Meter, über 70
Jahre alte Brettchen. Er zieht eines hervor. "Muesch lose",
sagt Pagelli, wischt mit der Hand vorsichtig den Sägestaub weg, klopft
das Brett liebevoll mit dem Zeigfingerknöchel ab und sagt: "Furztrocken.
Ein Ton, so klar wie der einer Glocke."
Claudio
Pagelli baut vor allem Jazz-Gitarren. Sankt Gallen, Luzern, Zürich
- keine Schweizer Jazz-Schule, an der Lehrer nicht auf einem seiner Instrumente
unterrichten. Pagelli ist der einzige Jazz-Gitarrenbauer der Schweiz.
Und weltweit einer der besten. Das Fachmagazin "Gitarre & Bass"
schrieb letzten Herbst in einem Testbericht: "Pagelli ist ein Magier
der Formen. Nur wenigen Handwerkern gelingt es, erstklassige Instrumente
zum Kunstwerk zu erheben." Und dieses Frühjahr lobte das Magazin
den Churer[82] erneut: "Einen so lebendigen, körperstarken und
an singenden Obertönen reichen Ton findet man sehr selten."
Die
schöne Form, der reiche Ton - doch erst ein Dreiklang macht eine
gute Gitarre aus. Ihre Bespielbarkeit kommt hinzu. Darüber gibt ein
Foto Auskunft. Es hängt an der Wand in der Werkstatt und zeigt Dave
Stewart, Gitarrist der Eurythmics ("Sweet Dreams Are Made of This").
Stewart spielt die Jazzability, ein Pagelli-Instrument. Der Hals der Gitarre
ist aus geflammtem Ahorn, der Korpus aus Fichte und Ma- hagoni, überzogen
mit goldglitzerndem Azetat, wie in den Sechzigerjahren üblich. Stewart
steht auf der Erinnerungsfoto breitbeinig da, stolz wie ein Jäger,
der seine Trophäe präsentiert. "Er war voll begeistert,
und er hat diskussionslos voll bezahlt", sagt Pagelli. Warum das
wichtig ist? Stars sind gewohnt, Instrumente geschenkt oder billiger zu
erhalten.
Eine
einfache Jazzability gibts ab 6500 Franken. Als vollakustische Jazzgitarre,
gebaut aus erlesensten Hölzern mit aufwändig gehobelter Boden-
und Deckenwölbung, einer Geige gleich, kann das Instrument gut und
gern auf 18 000 Franken kommen.
Nicht
immer kann der Handwerker seine Kunden so leicht erkennen wie einen Dave
Stewart. Dieser Tage erkundigte sich ein David Torn per E-Mail nach dem
Gitarren-Modell Beatmaster. Torn? Er spielt Gitarre für David Bowie.
"Ich kannte ihn nicht", sagt Pagelli. Jetzt verhandeln die beiden.
Andere
Interessenten kann Pagelli auf Anhieb einordnen. Jonas Hellborg beispielsweise,
der bei Jazzheld John Mc Laughlin spielt. Er hat nach einem akustischen
Bass verlangt. Bis Pagelli für ihn jedoch zum Werkzeug greift, werden
noch viele Gespräche nötig sein.
"Ich
spreche mit meinen Kunden, solange sie Zeit haben", sagt Pagelli.
Er muss den Interessenten kennen lernen, es reicht ihm nicht, dass der
Kunde kommt und sagt, er möchte ein Instrument wie das, das beispielsweise
der Jazzer Chet Atkins spielt. Der Käufer hat eine Klangvorstellung:
"Darum herum baue ich das Instrument. Nur die Finger von Chet Atkins
kann ich ihm nicht geben." Viel später erst steht das Design,
an dem Pagellis Frau Claudia arbeitet, stehen die zu verwendenden Materialien
zur Debatte.
Gewissen
Hölzern ist ihr Wert nicht anzusehen. Das Brett aus deutscher Fichte,
das Pagelli noch einmal nach seinem glockenreinen Klang abklopft, zählt
zum Wertvollsten, das ein Gitarrenbauer verwenden kann. Nicht weil das
Holz von unersetzbarer Qualität wäre, sondern weil in ihm Historie
mitschwingt. Aus exakt diesen Brettern bekamen Charlie Christian, Wes
Montgomery und Freddy Green, gebaut von der amerikanischen Firma Gibson,
einst die weltweit ersten Gitarren mit elektrischem Tonabnehmer gefertigt.
Christian gilt als Pionier der E-Gitarre. Das war in den Dreissigerjahren.
Pagelli hat die Restbestände des Holzes gekauft, "eine Trouvaille
ohnegleichen" und ein Zufall: Das Holzlager in Deutschland wurde
geräumt, Pagelli griff zu. Finanzieller Wert der Brettchen: ein paar
hundert Franken. Emotionaler Wert: unbezahlbar. Das Holz wird für
Decke und Boden von höchstens fünf Instrumenten reichen.
Im
Sommer 1984 stand Claudio Pagelli, Gitarrist der New-Wave-Band Stitch,
auf der Bühne am Openair Sankt Gallen. Die Festivalbesucher wollen
"Compromise" hören, den Song, mit dem Stitch neben Bo Katzman
und Slapstik vor zwanzig Jahren zu den bekanntesten Bands der Schweiz
gehörten. Später fand Pagelli mit der Formation "este rito
le sugerimos" noch einmal landesweite Beachtung.
Das
ist nationale Musikgeschichte. Die spätere Entwicklung ist bekannt,
die Gitarre verlor ihren Stellenwert in der Musik. "Wer im Zeitalter
des Techno in den Neunzigerjahren einen Gitarrenkoffer trug", sagt
Pagelli, "musste sich in den Augen der Spassgeneration wie ein Idiot
fühlen." Die Zeiten elektronischer Dominanz laufen jedoch aus.
Zu Pagellis Freude wird Musik wieder häufiger mit Instru-menten gemacht,
steigen die Jungen wieder in die feuchten und muffigen Übungsräume
- Britpop, Neo Punk, Nu Metal, Jazz, Folk. Die Gitarre feiert ein Comeback.
Selbst Elektro und Hip Hop, lange Zeit die einzigen gitarrenfreien Musik-Genres,
verzichten nicht mehr ganz auf das Instrument, Rapper Mos Def steht damit
gar auf der Bühne.
Doch
noch sind es die Alten, die sich für eine Pagelli Guitar interessieren.
Jim Hall beispielsweise, Jazzer und Ziehvater von Pat Matheny. Hall sagte,
als er kürzlich in Zürich auftrat, extra eine Autogrammstunde
ab, um die Jazzability Archtop mit der gewölbten Decke nach dem Konzert
in Ruhe zu testen. "Wäre ich etwas jün- ger, ich würde
sie spielen", vertraute der grosse alte Mann des Bebop dem Gitarrenbauer
aus Chur an. Und die amerikanische Jazz-Gitarrenbauer-Legende Bob Benedetto
meinte: "Claudio baut die schönsten Gitarren, die ich je gesehen
habe." "Das war für mich", sagt Pagelli, "das
grösste Lob und wie die Absolution vom Papst."
Claudio
Pagelli, gelernter Klavierbauer, zeigt sein Werkzeug. Die meisten Maschinen
hat er für sich konstruieren lassen, es gibt sie nicht im Handel.
Stechbeitel, nach der Grösse geordnet, hängen an der Wand. Der
kleinste Hobel, den er etwa für eine gewölbte Decke verwendet,
misst keine zwei Zentimeter in der Länge.
70
bis 100 Stunden arbeitet Pagelli an einer E-Gitarre, schnell einmal 200
Stunden steht er für eine Jazz-Gitarre an der Werkbank - ganze zehn
Instrumente verlassen jährlich seine Werkstatt in Chur. Darum hat
Pagelli, Jahre ist es her, INXS einen Korb geben müssen. Die australische
Topband hatte vier Gitarren bestellt, aufs Mal. "Ich konnte sie nicht
liefern", sagt Pagelli.
Handwerk dauert, und Pagelli sagt: "Jazz-Gitarren bauen - so stelle
ich mir Meditation vor."

Gitarre&Bass,
Ausgabe November 2002
von Dirk Groll Splash
Bass Pagelli
Die meisten Bässebauer sind gute Handwerker, viele haben auch eine
glückliche Hand für Design und stimmige Formgebung. Manche erschaffen
wirklich eigenständige Instrumente, und nur einigen gelingt schließlich
sogar, erstklassige Instrumente zum Kunstwerk zu erheben. Claudio Pagelli
ist ein Magier der Formen, sein Splash Bass ein inspirierender Hinweis
darauf, dass im Thema E-Bass noch viel größere Freiheiten stecken,
als sie bislang genutzt wurden.
Wohlgemerkt
ist der Splash Bass nicht trotz, sondern auch wegen seiner extravaganten
Gestalt ein leicht spielbares Instrument. Leicht schon im direkten Sinne,
denn die luftige Konstruktion wiegt gerade mal 3,6 Kilo. Das meisterliche
an diesem Elektrobass ist die Verbindung von gestalterischer Vollkommenheit
(wenn auch in dieser Radikalität sicher nicht dem gesetzteren Geschmack
schmeichelnd) und den kompromisslos hohen Qualitäten als Musikinstrument.
Hier handelt es sich nicht um eine schöne Skulptur, sondern um einen
ausgereiften Bass, der sich vor den Edelprodukten konventioneller Form
keinesfalls verstecken muss. Und konventionell wirkt neben
dem Splash Bass wohl fast jedes andere Instrument.
Space-Vintage
Die erste Assoziation geht in die Siebziger, obwohl es damals keinen vergleichbaren
Bass gab. Aber die leuchtend orange Ganzkörperlackierung und die
fetten Aluknöpfe setzen eindeutig diese Marke. Das geschwungene Schlagbrett
aus weißem Plexiglas ist nicht einfach auf den Korpus aufgeschraubt,
was wegen der Rundungen auch nicht spannungsfrei möglich wäre.
Vielmehr schwebt es ohne Verspannungen über dem gewölbten Body
und steht auf individuell abgelängten Distanzhülsen. Ohne übrigens
in irgendeiner Spielhaltung zu stören, vielmehr bietet die Oberkante
des Schlagbretts eine willkommene Daumenmulde.
Für den eingeleimten Hals hat Pagelli 30 Jahre alten Ahorn verwendet
und die erstaunlich konventionelle Holzauswahl mit einem Palisander-Griffbrett
abgerundet. Die 22 schmalen Vintage-Bundstäbchen setzen dem für
den Detailbetrachter noch die Krone auf, der Splash ist in Wirklichkeit
ein Vintage-Bass! Aber klar, da war ja von Anfang an die Siebziger-Stimmung
drin.
Und eine kleine Frechheit gegenüber den vielen Jazz-Bass-Bauern ist
die traditionelle Basis im Space-Outfit auch.
Konsequenz
Der schlanke Hals spielt sich mühelos und fällt wie selbstverständlich
in die Hand, hier wird nicht durch exotische Form- oder Maßgebung
behelligt. Vintagemäßig im besten Sinne eben. Auf der bauchigen
Reversed-Kopfplatte sitzt ein poppiges Plexi-Logo, und Glamour-Pop sind
Pagellis klunkerige Schmuckknöpfe an den gekapselten Schaller-Tunern.
Eine besondere Schönheit sind die ovalen Tonabnehmer-Kappen, aus
Aluminium angefertigt und von Harry Häussel mit einem Singlecoil-Innenleben
(textilumsponnene Anschlussdrähte, Vintage!) versehen.
Konsequenterweise arbeitet der Bass rein passiv, organisiert aber die
Mischung der drei Tonabnehmer intelligent mit den einfachsten Mitteln.
Hals- und Steg-Tonabnehmer sind (ja, wie beim alten Jazz Bass) mit separaten
Volumenreglern dosierbar. Ein Druck auf den Knopf des Steg-Volumenpotis
schaltet den mittleren Tonabnehmer ein. Damit sind wirklich alle Tonabnehmer-Kombinationen
abrufbar, was dem Splash sechs verschiedene Grundsounds und viele Mischvarianten
dazwischen beschert. Für den letzten Klangschliff steht eine schlichte,
dezent abgestimmte Höhenblende bereit.
Haltung
Das aus Erlenholz geformte Korpusgebilde liegt angenehm am Körper
und bringt alle Anlagen für eine kopflastfreie Balance mit. Das Korpushorn
wirkt wie ein herausgeschleuderter Tropfen und ragt bis zur 11. Halslage
hervor. Pagelli hat die Gurtaufhängung so positioniert, dass der
Splash sich in der Waagerechten einpendelt. Man hätte sie auch etwas
höher am Horn befestigen können, dann wäre der Bass völlig
neutral in Balance. Aber die andere Spielhaltung kommt optisch viel cooler,
Beat-gemäßer rüber, das wird sicherlich der Grund für
diese Entscheidung gewesen sein.
Auf die Göldo-Gurthalter kann man wahlweise einen Gurt mit Security-Locks-Gegenstücken
aufklicken, aber auch einen normalen Gurt sicher befestigen; es sind zusätzlich
große Rändelschrauben beigefügt, die man auf die Gurthalter
draufdreht, um den Gurt zu fixieren. Man könnte an dieser Lösung
aussetzen, dass man die Schraubkappen verlieren kann. Aber wer einen Pagelli-Bass
spielt, verliert die Dinger nicht.
Sound
Im Widerspruch zur opulenten Formenvielfalt steht die konsequente Reduktion
auf altbewährte Werkstoffe die schlicht ausgeführte Elektro-Ausstattung.
Keine exotischen Wunderhölzer, kein 36-Lagen-Hals, keine Aktiv-Elektronik
mit irren Sounds. Vielleicht löst sich der Widerspruch ja auf, wenn
man den Splash einstöpselt.
Man kommt zunächst in den Genuß bemerkenswert kultivierter
tonaler Grundqualitäten, jeder Ton spricht seidig-sensibel und mit
vollem Volumen an, das gesunde Sustain ist spektral ausgewogen und sehr
gleichmäßig übers gesamte Griffbrett vorhanden. Das klingt
gar nicht nach altbackenen Zutaten, und wenn, dann müssen sie vom
Feinsten sein. In seinen Basisqualitäten ist der Splash Bass kein
schräger Exzentriker und stellt einen schönen, sehr präzise
kontrollierbaren Ton mit runder Praxistauglichkeit bereit. Der übrigens
auch einen Vintage-Fan überzeugen wird.
Ähnlich verhält es sich mit den vielfältigen Nuancen der
Elektro-Sounds, allesamt durch Stimmigkeit und Ausgewogenheit geprägt
und dabei ihre ganz eigenen, charakterstarken Färbungen einbringen.
Der Pagelli-Bass bringt erstaunlicherweise auch in wenig präsenten
Einstellungen eine wunderbare Detailauflösung zu Gehör, was
man sowohl der Holzkonstruktion wie auch den Singlecoils gutschreiben
darf. Dadurch bietet er nuancierte Ausdruckmöglichkeiten wie ein
moderner Edelbass mit der groovestarken Körperhaftigkeit eines dichten
Vintage-Sounds.
Resümee
Claudio Pagelli erzeugt zwischen moderner Form und vintagemäßig
reduzierter Ausführung beim Splash Bass eine inspirierende Spannung,
und er versteht es, diese Spannung auch auf das eigentümliche, doch
in jeder Hinsicht ansprechende Klangverhalten des Instruments zu übertragen.
Gerade durch die streng aufs Konventionelle, Altbewährte beschränkte
Wahl der Mittel führt der skulpturhaft gestaltete Splash Bass umso
deutlicher vor Augen, welches Potential in der scheinbar altbackenen,
durch zahllose Vervielfältigung und Verbreitung ausgelutschten Grundkonzeption
eines stinknormalen E-Basses noch steckt. Diese Leistung von
Claudio Pagelli und seiner Frau Claudia, die massgeblich an den Designs
beteiligt ist, darf man erleuchtend nennen.
Übersicht
Fabrikat: Pagelli
Modell: Splash Bass
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Schweiz
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: eingeleimt; Ahorn mit Palisander-Griffbrett, 22 schmale Bünde
Halsbreite: Sattel 40,5 mm
12. Bund 53 mm
Saitenabstände Steg: 18 mm
Korpus: Erle
Oberflächen: Hochglanzlack
Tonabnehmer: passiv; 3x Pagelli/Häussel Singlecoil
Elektronik: passiv
Bedienfeld: 2x Volumen, Push/Pull-Schalter für mittleren PU, Höhenblende
Mechaniken: verchromt; gekapselte Schaller/Pagelli-Tuner, ABM-Einzelstege,
Göldo-Gurthalter
Gewicht: ca. 3,6 kg
Vertrieb: Pagelli Guitars, CH-7000 Chur
Preis: ca. Euro 5300,-
Gitarre&Bass,
Ausgabe Mai 2002
Musikmesse Frankfurt
Bässe
(von Dirk Groll)
Was ein eigenständiges und frisches Design angeht, gehörte der
Splash Bass von Claudio Pagelli zu den absoluten Lichtblicken dieser Musikmesse.
Eindeutig zeigen die prägnanten und bis ins Detail harmonisch ausgearbeiteten
Instrumenten-Designs des Schweizers hohe künstlerische Qualitäten,
und nicht nur das Bassdesign-As Michael Tobias sowie etliche Fotografen
aus Fernost studierten die schönen Pagelli-Instrumente eingehend
aus der Nähe.
Akustische
Gitarren (von Ebo Wagner)
Schon mal etwas von Claudio Pagelli gehört? Nein?! Dann wollen wir
diese Bildungslücke mal schliessen. Claudio hat seine Werkstatt in
Chur/Schweiz, und er fertigt dort in kleinsten Stückzahlen Instrumente,
die in Qualität und Design zum absoluten Top-End zu zählen sind.
Er verwirklicht dabei nicht nur seine eigenen (unkonventionellen) Ideen
, sondern arbeitet eng mit dem Kunden zusammen an Individuallösungen.
Claudio schafft es, z.B. auch Gitarren mit ungewöhnlichen Mensuren
und Abmessungen zu hochkultivierten Instrumenten zu machen. Ein Meister
seines Faches, eigentlich schon darstellender Künstler, der nur die
allerbesten Tonhölzer verwendet.

BassPlayer
April 2002 (Elton Bradmann)
Going to Extremes, winter namm show
Swiss luthier Claudio Pagelli came with a tentatively titled Splash Bass
prototype he describes as a «4-string fretted orange 60s funkwonder».
(See page 51.) At the Schertler booth, fretless freaks were enchanted
by Pagellis sleek and freaky Golden Fretless 4-string, now owned
by Schertler. (In case youre interested, Schertler has turned down
offers of up to $10,000. Check Pagellis Web site for more interesting
variations - and news on upcoming production negotiations.
X-ACT,
Music Magazine, Nr. 54 Mai 2001
Musikmesse Frankfurt 2001 (von Harry Brunner)
Da fiel dem Harry Brunner die Kinnlade einen Stock tiefer! Eine unglaubliche
Gitarrendreifaltigkeit, in einem Traum aus Perloid, mit chromglänzendem
Bigsby, Grover Imperial Mechaniken und F-Löchem die einem LSD Trip
entsprungen sein könnten, geschaffen vom Schweizer Gitarristen und
Gitarrenbauer Claudio Pagelli, war einer der wildesten Blickfänge
der Frankfurter Messe! Pagelli ist einer der Allergrößten,
wenn es darum geht innovativ; originell und handwerklich präzise
zu sein, die Bilder seiner unglaublichen Akkustikgitarre werden wohl weltweit
durch die Musikpresse wandern, derartig exzentrische Schönheit hatten
wir bisher noch nicht gesehen!
Claudio zeigte mir zusätzlich die unglaubliche Akkustikgitarre, die
er für den St. Galler Künstler Louis Christ gebaut hat, ein
Wunderwerk an Form und Ausführung! Alleine schon die Schönheit
der verwendeten Hölzer und die Features an diesem Instrument sind
es wert, ein Museum dafür zu bauen!
Schweizer
Illustrierte, Nr. 30 Juli 1998
Schön für Hand, Auge und Ohr. Luxus
music
scene, das Schweizer Musikmagazin, Nr. 8 Oktober 1998
Wow, was für ein Design! Absolut bestechend sieht er aus der Pagelli
Bundlos Bass.
Musiker
Magazin, Nr. 4 April 1987
Messereport Musikmesse Frankfurt, von Dirk Groll
Bass, Pagelli
Ein junger Bässe- und Gitarrenbauer aus der Schweiz war mit einem
wunderschönen handgearbeiteten Fretless vertreten, dessen edle und
geschmackvolle Holzkombination mit starker Maserung und Zeichnung schon
von weitem ins Auge fiel. Bestückt mit Alembic-Activator-Jazzbass-Pick-ups
liess das Schweizer Präzisionsprodukt auch soundmässig keine
Wünsche offen von diesem Custom-Hersteller wird man noch hören!
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